Was ein Ritter so anzieht

Uns erreichten Fragen von Kindern aus der Umgegend, was ein Ritter anzieht zum Kampf, wie schwer er dabei zu tragen hatte und was die ganzen Sachen gewogen haben. Daraus ist dieser kleine Beitrag entstanden. Viel Spaß beim Lesen und Pax Vobiscum wünscht Burchardus von Rabenau!

Salve lieber Leser,

mein Name ist Burchardus de Rabinowe, ich bin der Truchsess des Burggrafen von Dohna, vom Verein Domus Donin.

Meine Darstellung entspricht der Zeit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Rüstung in dieser Zeit des Hochmittelalters wird unterteilt zwischen Polsterrüstung, welche gegen den stumpfen Schlag schützt und Kettenrüstung gegen den scharfen Schnitt. Erst in dieser Kombination wird ein optimaler Schutz des Körpers gewährleistet.

Die Polsterrüstung trägt der Ritter unter der Kettenrüstung getragen und besteht aus einer oder mehreren oberen Lagen Leinen, die innen mit Wolle und manchmal auch Lumpen gefüttert sind. Wir beginnen bei den Beinen: Polsterbeinlinge dienen dem Schutz der Beine und werden auch sogenannte Dichlinge genannt. Diese werden über die Beine gezogen und an einem Gürtel mit Nestelbändern gebunden. Dichlinge gibt es in lang, über das gesamte Bein, oder kurz, nur bis über die Knie.

Hier trage ich kurze Diechlinge mit eisernen Knieschützern. Beide rund drei Kilo.

Darüber wird der Gambeson getragen. Er ist wie ein Polstermantel und schützt den gesamten Oberkörper und die Arme. Er ist ein wirksamer Polsterschutz gegen Schläge oder auch Pfeile, die in ihm stecken bleiben. Rund 8 kg, …. je mehr man schwitzt, desto schwerer wird er … und ich schwitze viel bei entsprechender Sonne und vieler Bewegung im Kampf ;-).

Nun kommt das Kettenhemd über den Gambeson. Es gibt viele verschiedene Typen. Hier trage ich ein sogenanntes Hauberk. Es ist langärmlig, geht bis zu den Knien und besteht aus Rundringen mit 9 mm Durchmesser. Die Ringe sind in der Flechtart 4/1 verbunden, das Gewicht ist 16 kg.

Ich besitze noch ein kurzes Kettenhemd (Haubergeon) aus Rundringen mit kurzem Armen, das Gewicht ist hier rund 10 kg und mein schweres Prachtstück ist ein Hauberk aus vernieteten Rund- und Flachringen, Gewicht rund 24 kg. Diese vernieteten Ringe sind ein besonderer, sehr effektiver aber extrem teurer Luxus. Jeder einzelne der rund 25000 Ringe ist durch eine Niete gesichert, die verhindern soll, das die Ringe bei Stich oder Pfeilbeschuss aufreißen oder aufplatzen. Somit ist dieser Kettenpanzer extrem sicher, aber sehr aufwendig in der Herstellung.

Jetzt kommt noch die Polsterhaube über den Kopf. Diese hat mehrere Funktionen. Sie schützt sowohl die Schulter, den Hals und den Kopf und sorgt ebenfalls für einen sehr sicheren und festen Sitz des Helmes, damit dieser während des Kampfes nicht verrutscht und man im dümmsten Fall nichts mehr siehst. Sie wiegt rund 2 kg.

Über die Polsterhaube kommt bei mir ein Kettenkragen. Dieser schützt nochmals die Schulterpartie und den Hals, da diese besonders gefährdet sind. Dieser Kettenkragen, auch Bischofskragen genannt, besteht aus den besonders robusten vernieteten Flachringen und wird im Nacken mit Lederbändern verbunden. Gewicht ist rund drei Kilo.

Jetzt wird der Wappenrock über das Kettenhemd gezogen, so dass jeder sieht, wen er vor sich hat und wer ihn besiegt hat. Meine Wappenfarben sind rot/gelb und als Wappentier dient der Steinbock. Dann werden noch die Schutzhandschuhe übergezogen. Diese Fäustlinge sind aus Leder, innen leicht gepolstert und außen Kettengeflecht mit 6 mm Durchmesser, Gewicht ist je 1 kg.

Natürlich fehlen noch Helm, Schild und Schwert.

Der Helm den ich hier trage ist eine Kalotte mit Gesichtsplatte. Er bietet einen starken Schutz des Schädels aber auch des Gesichts gegen Schläge und Stiche. Er ist aus 2 bis 4 mm starkem, vernieteten Stahl. Sein Nachteil ist die relativ schlechte Sicht durch die Schlitze und eine erschwerte Atmung. Er wiegt rund 3,5 kg.

Ich habe insgesamt 8 Helmarten zur Auswahl. Sehr „angenehm“ zu tragen sind die sogenannten Nasalhelme. Sie sind auch aus 2 mm Stahl, oben spitz/konisch geformt und haben über der Nase einen Eisenschutz. Dieser Helm bietet exzellente Sicht, sehr gute Beatmung aber eben auch nur einen eingeschränkten Schutz im Gesicht. Vor allem Augen und Wangen sind gefährdet.

Mein Schild ist ein sogenannter Reiterschild / Manesseform. Der Schild ist aus mehreren Lagen Holz, im Bogen verleimt (drei Lagen Buche je 4 mm Stärke) ist mit Leinen und an den Rändern mit Rohhaut bespannt. Mit diesem Schild kann man sehr flexibel und schnell reagieren, da er nicht zu groß und zu schwer ist. Bemalt ist er in meinen Wappenfarben. Gewicht: ca 3,5 kg.

Das Schwert, welches ich hier nutze, ist ein sogenanntes Einhandschwert/Hiebschwert mit verjüngender Spitze. Die Klinge war damals zweischneidig scharf über rund 4/5 der Gesamtlänge. Das Schwert muss hart, scharf und elastisch sein, um beim Zusammenprall mit einem anderen Schwert nicht zu zerbrechen. Das Gewicht liegt zwischen 900 – 1500 g.

Ich besitze auch noch weitere Schwerter. Verbreitet war auch der sogenannte 1 1/2 -Händer. Dieser war wesentlich länger, somit hatte man eine größere Reichweite und höhere Ziel-Kraft-Wirkung, aber der Arm ermüdete schneller oder man musste ohne Schild kämpfen.

So, das Gesamtgewicht müsst Ihr selbst addieren. Jetzt der Preis: … heute bezahlt man für diese Ausrüstung mehrere tausend Euro. Früher war alles noch viel, viel teurer, aber es gab keine Einheitspreise oder Preisvergleich im Internet. Grob gesagt war die Rüstung so teuer wie die Jahreseinkünfte mehrerer Dörfer oder kostete einige Rinder, Schweine oder andere wertvolle Dinge. So waren die Einkünfte des Ritters aus seinem Land, den Dörfern, die ihm gehörten und aus etwaigen Zuwendungen seines Dienstherrn unerlässlich, dass er sich eine Rüstung und Waffen leisten konnte.